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Statements und Resolutionen

November 2008

Sprit aus Zapfsäulen, aber nicht in Flaschen - Kein Alkohol in der Nacht an Tankstellen

Als erstes Bundesland will Baden-Württemberg den Verkauf von Alkohol zwischen 22 und 6 Uhr an Tankstellen verbieten. Die Baden-Württembergische Arbeitsgemeinschaft der Selbsthilfe- und Abstinenzverbände (BWAG) unterstützt dieses Vorhaben mit einem eindeutigen „Ja“.

Stuttgart – Allzu oft versorgen sich Minderjährige mit Bier und Schnaps an Tankstellen, ohne dass sie nach dem Alter gefragt werden und es wirksame Kontrollen gibt. Die unbegrenzte Verfügbarkeit von Suchtmitteln lockt auch alkoholabhängige Menschen besonders in der Nacht an die Tankstellen. Dort werden rund 40 Prozent des Umsatzes mit Bier, Wein und Schnaps gemacht.
58 Prozent des Gewinns erzielen die Pächter aus dem großen Sortiment im Shop und nicht über das reine Benzin.

„Die Beschränkung der Verkaufszeiten für Alkoholika an Tankstellen von 22 bis 6 Uhr wäre ein wirksamer Beitrag zur Senkung des problematischen Alkoholkonsums“ sagt Michael Haug, Vorsitzender der BWAG, und fordert eine drastische Kontrollverschärfung. „Die Lust auf Alkohol wird sich deswegen nicht vermindern, doch die Verfügbarkeit wird eingeschränkt. Tankstellen ermöglichen es suchtkranken Menschen, der sozialen Kontrolle zu entgehen und ihren Alkoholkonsum zu verstecken. Durch nächtliche Einkäufe in wechselnden Tankstellen vermeiden sie ein Auffallen in ihrem sozialen Umfeld“ sagt Haug aus eigener Erfahrung.

Eine Reduzierung der Verfügbarkeit erschwere den Zugang und verringere damit alkoholbedingte Probleme, insbesondere durch nächtliche Abenteuerlust von Jugendlichen.

Doch neben Einschränkungen der Verfügbarkeit durch Nachtverkaufsverbot, keinen Verkauf an bereits Angetrunkene und ähnliche Maßnahmen erfordere Suchtprävention weitere Hilfestellungen: „Komasaufen und andere Verhaltensweisen zeugen von mangelndem Abenteuer im Alltag der jungen Menschen. Abenteuer sind wichtig, um die Grenzen der eigenen Persönlichkeit auszutesten und persönliche Fähigkeiten zu entwickeln“ weiß Haug. Deswegen gelte es, positive Kriterien des Erwachsenwerdens zu fördern wie z. B. soziale Anerkennung in Familie, Schule und Beruf, Sport, Führerschein, selbst verdienter Lohn, Reisen und die damit verbundenen Anstrengungen, Verantwortung zu übernehmen, Leitungsaufgaben in Gruppen und Vereinen anvertraut zu bekommen etc. Außerdem bedarf das Vorbildverhalten der Erwachsenen einer dringenden Korrektur.

„Das Lernziel für junge Menschen ist es, einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol zu erlernen, d. h. die Gefährdung zu erkennen und zu wissen, wo die Promillegrenze bei Null liegen muss wie z. B. beim Autofahren, während der Schwangerschaft oder in Schule und Beruf“ so Haug. Durch Routinekontrollen der Polizei würden heute bereits viele alkoholabhängige Kraftfahrer aus dem Verkehr gezogen. Diese Kontrollen müssen weiter verstärkt und Auffälligkeiten stärker geahndet werden.